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Rezension Lucile Richardot – Les heures claires

Lyrische Experimente

Erstmals liegen sämtliche Lieder der Boulanger-Schwestern vor, Sopranistin Lucile Richardot und Kollegen bleiben mitunter aber zu sensibel.

vonRoland H. Dippel,

Für die Erschließung des unbekannten französischen Liedschaffens bedeutet dieses Album einen faszinierenden Meilenstein. Die früh verstorbene Lili und die später als Kompositionslehrerin gerühmte Nadia Boulanger gehören zu den mystifizierten Persönlichkeiten der französischen Moderne. Hier bewegen sie sich noch oft in lyrischen Erlesenheiten wie die Komponisten-Generation vor ihnen. Andererseits hört man die große Sehnsucht nach progressiven Kühnheiten und Lust auf Experimente. Gerade durch die vollständige Einspielung ihrer Mélodies wird nicht nur die ästhetische Nähe der Schwestern zueinander, sondern auch deren starke Verwurzelung im Fin de Siècle deutlich. Die sensiblen Solisten scheuen sich mitunter vor der performativ wirkungsvollen Emphase der Gesänge. Hier zeigt sich die noch fehlende Unbefangenheit, Kompositionen von Frauen und Männern mit ebenbürtiger Emotionalität zu begegnen.

Lucile Richardot und Anne de Fornel
Lucile Richardot und Anne de Fornel

Les heures claires
Sämtliche Lieder von Nadia & Lili Boulanger

Lucile Richardot & Raquel Camarinha (Sopran), Stephane Degout (Bariton), Sarah Nemtanu (Violine), Emmanuelle Bertrand (Violoncello), Anne de Fornel (Klavier)
harmonia mundi

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